Wieland Zeitler „mimetisches Spiel“

Ausstellung: 03.09. – 30.09.2004
Vernissage: Freitag, 03.09.2004, 19.00 Uhr

Wieland Zeitler 2004

Schiefe Ebenen oder von der Dynamisierung der Blicke.

Das schweifende Auge gleitet über sorgsam bearbeitete, von feinen, mal lasierend, mal deckend aufgetragenen Farbschichten bedeckte Oberflächen, auf denen Pinselschwünge sich in pulsierende Farbwolken hineinschmiegen, konvexe und konkave Linien in einem aufeinander bezogenen Rhythmus schwingen, flirrende und vibrierende Strukturen drängen sich dem Betrachter entgegen, daneben schattendunkle Abgründe oder blendend schrille Kontraste. Bilder von WIELAND ZEITLER verlocken zur Suche nach Bedeutungen, doch haben sie keine – jedenfalls nicht im Sinne semantischer Übersetzungsakte. Vielmehr sind ihre äußerst komplex Seherfahrungen mit dem Ziel, die vorurteilshaften Gewissheiten des denkenden Schauens nachhaltig zu verstören.

Nachdem Zeitler sich über viele Jahre ausschließlich malerischen Prozessen im großen Format gewidmet hat, begann er vor einem halben Jahr eine neue Werkphase, in der die Bildfindung vom reproduzierten Bild, also einer abgebildeten Faktizität ausgeht und den Fotokopierer als Medium der Bildproduktion einsetzt.
Vielfach wiederholte Vorgänge von Vergrößern und Verkleinern, Collagieren und Übermalen lassen eine DIN A3 grosse Kopiervorlage entstehen, die in einem letzten Arbeitsschritt auf DIN A0 hochgezogen wird. Manchmal werden farbige Flächen, lineare Repetitionen oder skripturale Akzente gesetzt, doch werden solche Mittel sparsam verwendet, da die „malerischen“ Wirkungen von den durch das Kopieren verfremdeten Nuancen von Schwarz, Grau und Weiß dominieren.
Die so entstehenden Bilder verbinden eine erstaunliche optische Nüchternheit und Stringenz mit einer überraschenden sinnlichen Präsenz zu ungewohnten, völlig singulären Ausdrucksqualitäten. Obwohl auch eine visuelle Beziehung zu den Ausgangsobjekten sichtlich erhalten bleibt (ein Baum ist ein Baum, aber auch Struktur, Linie, Zeichen), werden sie im Prozeß der Bildproduktion an die Grenze der Lesbarkeit getrieben und im Bild zu Lieferanten von Form-, Farb- und Strukturwerten. Die Blicke verlieren so ihre Gewißheiten und gewinnen eine Vervielfältigung ihrer Möglichkeiten.
Dr. Brigitte Hammer, Kunsthistorikerin

 

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